Berufsfeuerwehrtag 2017

12. August 2017

Bei ihrem diesjährigen „Berufsfeuerwehrtag“ wurden die nicht gerade im Urlaub befindlichen Aktiven der Feuerwehr Röttenbach mit vielfältigen und teilweise beängstigenden Einsatzszenarien konfrontiert. Mit großem persönlichen Einsatz und Teamgeist über alle Altersgruppen hinweg sowie, wo nötig, auch großem technischen Aufwand wurde den Herausforderungen dabei erfolgreich begegnet.

Am frühen Nachmittag erfolgte die erste Alarmierung mit dem Stichwort „Gasgeruch“. Ein Betriebsinhaber informierte die kurz darauf eintreffenden Einsatzkräfte mit dem Hinweis, dass in dem Gewerbegebiet kurz zuvor mehrere Flüssiggastanks aufgefüllt worden seien. So musste erst der richtige Tank gefunden, gleichzeitig aber auch alle Personen im gefährdeten Bereich evakuiert werden. Dabei galt es auch, zusätzliche Gefahren, wie Arbeiten mit einem Trennschleifer, eine Grillparty, rauchende Passanten oder einen laufenden LKW zu erkennen und zu beseitigen. Nachdem der richtige Tank gefunden wurde, der mit dampfenden Trockeneis und Druckluftgeräuschen perfekt präpariert worden war, wurde dieser schnell geschlossen und die Gefahr beseitigt. Dass sich in den Tankarmaturen unvorhergesehen auch noch ein echtes Wespenvolk eingenistet hatte, erleichterte die Sache auch nicht unbedingt.

Kurz nach der Rückkehr zum Standort wurden die beiden Löschfahrzeuge und das Mehrzweckfahrzeug zu einem Wohnhausbrand in der Ringstraße alarmiert. Unterstützt wurden die Röttenbacher Kräfte dabei durch die Drehleiter der Feuerwehr Baiersdorf, die zur Menschenrettung eingesetzt wurde und dann die Anleiterbereitschaft sicherstellte. Fünf perfekt geschminkte Personen galt es hierbei aus dem verrauchten und aufgrund Bauarbeiten unübersichtlichen Objekt zu retten, eine Situation, die die Trupps an die Grenzen der Leistungsfähigkeit brachte - und auch bringen sollte, wie bei der Nachbesprechung offen zugegeben wurde. In der Realität wären bei einem derartigen Brandereignis allerdings auch von vorneherein schon weitere Feuerwehren aus der Umgebung mit eingeplant.

Nach einer Verschnaufpause erfolgte dann die Alarmierung zu einem Verkehrsunfall auf der (baustellenbedingt gesperrten) Kreisstraße ERH 5, bei der neben der FF Röttenbach auch der Rüstzug der Feuerwehr Baiersdorf sowie Kräfte des ASB Erlangen-Höchstadt mit zum Einsatz kamen, so wie es in der offiziellen Alarmplanung für diese Straße auch hinterlegt ist. Das Organisationsteam um Konstantin Hauner hatte hier, unterstützt durch das Forstamt und verschiedene Firmen, ein Szenario vorbereitet, das ältere Einsatzkräfte sehr an verschiedene schwere Unfälle in den 80er Jahren erinnerte: Zwei PKW waren zusammengeprallt und nach Überschlägen im Wald zum Liegen gekommen, wobei auch noch ein größerer Baum ein Fahrzeug unter sich begraben hatte. Mehrere Personen „verletzt“, einige davon eingeklemmt. Zunächst galt es, die massive Fichte abzustützen und gegen Verrutschen zu sichern, bevor man mit hydraulischen Rettungsgeräten an die Fahrzeuge herangehen konnte, um dem Rettungsdienst die Erstversorgung der eingeklemmten Personen ermöglichen und diese anschließend schonend befreien zu können. Dies benötigte sowohl genaue Abstimmung untereinander als auch ein uneingeschränktes Miteinander beim Einsatz der umfangreich benötigten technischen Ausrüstung. In dem unzugänglichen Bereich konnte hier vor allem der akkubetriebene Rettungssatz der FF Baiersdorf punkten, der von den Röttenbacher Kameraden mit vorgenommen wurde und auch nach Abschluss der eigentlichen Übung noch von allen Beteiligten ausprobiert werden konnte.

Nachdem die Übungsstelle „besenrein“ hinterlassen und alle „Unfallspuren“ beseitigt waren, trafen sich alle Beteiligten erst einmal zur Stärkung im Röttenbacher Feuerwehrhaus. Für die örtliche Wehr war der Abend damit jedoch noch lange nicht gelaufen: Für die Besatzung des Löschgruppenfahrzeugs stand als Nächstes ein kleinerer Verkehrsunfall auf dem Programm, bei dem ein PKW gegen einen Stromverteilerkasten geprallt war. Hier stand die Gefährdung durch elektrischen Strom im Vordergrund, und so durfte die Mannschaft erst tätig werden, nachdem der Stromversorger die Abschaltung bestätigt hatte.

Parallel dazu kam auf die Besatzung des Hilfeleistungslöschfahrzeugs eine „dramatische Rettungsaktion“ zu, nachdem ein Arbeiter von Dach eines Schuppens gestürzt und dabei von einem Rohr aufgespießt worden war. Neben Erste Hilfe-Maßnahmen einschließlich Beatmung musste das fest im Boden verankerte Rohr mit sowohl über als auch unter dem mit einer Löschdecke geschützten Körper vorsichtig mit einem Trennschleifer abgeschnitten werden, bevor der Verunfallte transportfähig gemacht werden konnte.

Kurz darauf beschäftigte ein brennendes Motorboot auf einem Weiher, zwei Brandverletzte sowie zwei weitere, noch im Wasser befindliche Personen die Einsatzkräfte. Erste Hilfe, die Brandbekämpfung sowie die Rettung aus dem Wasser standen hier im Mittelpunkt.

Erste Hilfe-Maßnahmen galt es dann auch beim letzten Übungseinsatz des Abends bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu leisten, nachdem an einer Bushaltestelle verwirrte und verletzte Personen aufgefunden worden waren.

Alle Beteiligten, sowohl die Führungskräfte, Organisatoren als auch die Einsatzkräfte aller Altersgruppen, haben sich nach diesem anstrengenden Tag ein großes Lob verdient: Mit großem Engagement und sehr professionell wurden alle Übungen erfolgreich abgearbeitet. Respekt gilt aber auch Konstantin Hauner und seinem Vorbereitungsteam: Zusammen mit Gemeinde, Forstamt, verschiedenen Firmen und anderen Beteiligten hatten sie an geeigneten Orten und hohem technischen Aufwand für perfekte, bis ins Detail ausgearbeitet Einsatzszenarien gesorgt und diesen mit zahlreichen Verletzten, Betroffenen, Passanten und nervigen Gaffern im wahrsten Sinne des Wortes Leben eingehaucht.

Alle Bilder des Berufsfeuerwehrtages finden Sie in der Bildergalerie.

Quelle: Stefan Brunner, Kreisbrandinspektion ERH